Meine Lieblingsspeisen
aus dem Handbuch für Irish Wolfhounds
von Wolf von der Wolfshöhle
(Alfred Kzionska)

Mit meinen fast fünf Jahren kann ich schon auf einige kulinarische Höhepunkte in meinem Hundeleben zurückblicken.

Ich mag zwar unser tägliches Futter, besonders dies einmal in der Woche, an dem Frauchen Eigelb, Knoblauch, zerkleinerte Eierschalen, Bierhefe Joghurt und Distelöl unter das Trockenfutter mischt. Noch leckerer sind Bananen, Äpfel, Birnen, trockenes Brot, geräucherte Schweinsohren oder große Rinderknochen (mir läuft schon das Wasser in der Schnauze zusammen). Auch in Feld und Flur läßt sich einiges finden: Gedärme von geschlachteten Kaninchen oder Hühnern, das freundliche Kleingartenbesitzer „umweltfreundlich“ entsorgen, Kaninchenfelle, alte Knochen und vieles mehr.

Um aber an wirkliche Köstlichkeiten heranzukommen, muss man einige Tricks beherrschen, wie:

  • alles genau beobachten
  • leise auftreten
  • Tupper-Dosen
  • Rucksäcke, Brotkörbe öffnen
  • im richtigen Augenblick zuschlagen
  • schnell verschwinden
  • noch schneller fressen können.

Ihr könnt mir glauben, ich habe hart daran gearbeitet. Herrchen behauptet zwar, er wäre drei Jahre bei Winnetou in der Lehre gewesen, aber ich habe ihn auch schon überlistet.

Meine Halbschwester Biene ist auch ein Leckermaul, aber sie besitzt einfach kein Durchsetzungsvermögen. Sie steht vor dem gedeckten Tisch, schnuppert und ist zufrieden. Auch muss man natürlich charakterlich sehr gefestigt und willensstark sein, denn wenn Herrchen mit dem Hundepsychologen droht, kann einem schon Angst und Bange werden. Ach ja, zur Erklärung: unser Hundepsychologe ist Herrchen`s Hausschuh.

Ja, meine Lieblingsspeisen, da wäre zum Beispiel: Döner.
Herrchen kommt von der Arbeit, mit drei Dönern im Gepäck. Drei ? Herrchen ein Döner, Frauchen auch einer, also ist der Dritte für mich bestimmt. Herrchen nimmt in der Küche zwei Teller, wickelt einen aus der Alu-Folie, legt ihn auf den Teller, wickelt den zweiten aus. Ich gehe leise zu ihm hin, er merkt es nicht. Ob das wohl der für mich bestimmte Döner ist ? Ich schnappe zu, Herrchen brüllt „Wolf !“, ich spurte ins Wohnzimmer. Es fällt mir nur ein wenig Krautsalat aus dem Maul, bis Herrchen mich erreicht hat, ist der Döner in meinem Magen. Es gibt zwar mords Mecker vom Chef, aber es hat köstlich gemundet.

Ja und da waren noch die Muffins und der Cappucino.

Herrchen wollte am Abend zum Angeln auf die Ostsee fahren. Frauchen hatte ihm als Proviant Muffins mit Speck und Zwiebeln gebacken. Aufmerksam beobachte ich, wie sie zwei dieser herrlich duftenden Bällchen zum Abkühlen ganz hinten auf die Arbeitsplatte legt, die anderen wandern in Herrchen`s Rucksack. Dann bereitet sich Frauchen einen Cappucino zu und geht damit auf die Terrasse. Gut, dass ich so groß bin, die Muffins gehören mir. Ich sag Euch, ein Genuss. Frauchen hört mich aber, als ich mit den Vorderfüßen auf die Arbeitsplatte steige und kommt in die Küche gerast. Zu spät, aber die kann vielleicht schimpfen, also setze ich mich lieber in den Garten ab. Frauchen beginnt mit den Aufräumarbeiten in der Küche. Ich schleiche auf die Terasse, was sehen meine glänzenden Augen. Cappucino mit Sahne, der paßt genau zu den Muffins, ein Gedicht dieses Getränk. Ohne die Tasse zu beschädigen schlürfe ich diese feine Stöffchen in mich rein, köstlich. Sicherheitshalber verdrücke ich mich aber dann in den Garten.

Bei dem Wort „Ente“ fällt mir auch noch eine spannende Geschichte ein.

Meine Familie will sich in letzter Zeit „bewußter“ ernähren (von mir aus). Im Herbst weilten wir bei Freunden in Wehrland am Peenestrom. Da liefen die Enten im Bauerngarten herum. Zwei von ihnen wurden geschlachtet, Herrchen rupfte mit und letzte Woche ging Frauchen daran eine zu braten. - Es roch, ich hätte in Ohnmacht fallen können. - Ich beobachte, wie Frauchen den schweren, gußeisernen Bräter zum Abkühlen unter den Terrassentisch stellt und den Deckel mit einem großen Stein beschwert. Dieses Mißtrauen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Wie an die Sache herangehen ? Natürlich kommt mir bei solchen Gelegenheiten meine Geschicklich- und Schnelligkeit zu gute. Vorsichtig mit der großen Nase den Stein heruntergestupst, den Deckel hinterher. Dann die Ente geschnappt und ab in den Garten, denn die Sache mit dem Deckel geht natürlich nicht geräuschlos ab. Und da kommt auch schon Frauchen hinterhergesprintet. Aber bis sie mich erreicht hat, habe ich die halbe Ente verschlungen. Nun muß ich aber sagen, meine beiden Menschen sind ganz schön hart drauf, die haben doch tatsächlich die andere Hälfte allein aufgegessen, ohne dass wir etwas abbekommen haben.

Natürlich muß ich gestehen, meine Bemühungen sind nicht immer von Erfolg gekrönt.

Da gibt es doch Wölfe-Leute, die sind die absolute Härte. Regina und Michael aus dem Odenwald gehören auch dazu.

Sie waren bei uns zu Besuch und Frauchen bereitete „Mecklenburger Rippenbraten“ zu. Ich sag Euch, echt Spitze. Die Tafel festlich gedeckt, Frauchen tischt auf, ich beobachte. Die Scheibe Braten mit Backpflaumen auf Michaels Teller, ich schnappe zu, aber ............Michael auch. Er reißt mir das Maul auf, weg ist die Scheibe. Ich dachte ich seh nicht recht, er legt die Bratenscheibe seelenruhig zurück auf seinen Teller und beginnt gemütlich zu essen. Mir fehlen einfach die Worte.............. !!!!

Auch die Sache mit dem Mülleimer ist meinen Mißerfolgen zuzurechnen.

Ich war noch jünger und ungestümer, auch fehlte mir die Erfahrung mit einem Schwingdeckel.Keiner war in Küchennähe, aus dem Eimer roch es verführerisch. Ich hörte Frauchen die Treppe herunterkommen. Also, nichts wie mit der Schnauze rein in den Eimer. Der Deckel sprang zur Seite, ich bekam den Schatz zu fassen und ab in den Garten. Leider bliebt der Deckel um den Hals hängen und Frauchen lachte sich halb tot, als ich an ihr verbeiraste, rechts aus meiner Schnauze hing eine Damenbinde und links eine volle Kaffeefiltertüte. Aber ich hatte Beute gemacht.

Gelernt habe ich auch, mit Herrchen lohnt es nicht zu kämpfen, meistens gewinnt er (weil er noch besser nachdenken kann ???).

Wir befanden uns auf einem Spaziergang in den Feldern unseres Dorfes. Ich lief voraus,da lag plötzlich eine große blaue Plastiktüte in einem Gebüsch und roch irgendwie ganz köstlich nach frischem Schwein. Ein Stoß mit meine Nase reichte schon, durch das Loch hindurch gelang es mir, ein großes Schweinsohr zu schnappen. Wahrscheinlich hatten liebe Leute nach dem Schlachten „umweltfreundlich“ entsorgt. Bevor ich anfangen konnte zu fressen, war Herrchen da. Der wollte mir doch tatsächlich das prächtige Ohr entreißen. Von wegen, nicht mit mir. Er schaffte es mit beiden Händen nicht, mir die Schnauze zu öffnen. Plötzlich legte er mich an die Leine und fing an zu laufen. Was sollte das denn ???? Eine Zeit lang ging es gut, dann wurde es aber kritisch. Auf der einen Seite meiner Schnauze hing das Schweinsohr, auf der anderen meine Zunge heraus, meine Atemluft wurde immer knapper, dann gab ich auf. So bitter es ist, auch Niederlagen muß man verkraften

Für heute genug, aber bald werde ich wieder aus meinem Nähkästchen plaudern

Euer Wolf