Mißverständnisse
von Doris Kzionska

Wir sind stolze Besitzer von 2 IWs. Unser Rüde „Wolf“ (auch Dicker genannt) ist 4 ½ Jahre alt, die Hündin „Biene“ ist 2 ½  (auch Baby genannt).

Zeit meines Lebens haben mich Hunde begleitet, als ich ein Kind war und auch in meiner Ehe. Immer waren es Tierheim-Hunde und immer nur einer allein. Seitdem wir uns den Traum von einem IW erfüllt haben, kann ich gar nicht verstehen, wie wir so viele Jahre ohne diese prachtvollen Tiere leben konnten. Und wir kamen auch zu der Erkenntnis, nie wieder einen Hund einzeln zu halten. Einen Spielgefährten zu haben ist nicht nur für 4-Beiner, sondern auch für 2-Beiner ein Segen.

Unser Wolf ist der absolute Herrchen-Hund. Nicht nur äusserlich sind sie sich ähnlich. Auch viele Charaktereigenschaften deuten ganz klar auf eine Seelenverwandtschaft hin. Für Herrchen tut unser Wolf alles. Und aus dieser Hingabe ergab sich auch dieses Missverständnis.

Biene war läufig und da sie an bestimmten Tagen sehr blutete, zog ich ihr immer ein Höschen an. Denn Blutflecken auf Sofa, Bett oder Teppich zu entfernen ist nicht leicht.

Nun werden wir am Morgen Punkt 6 Uhr nicht von einem Hahn, sondern von unseren Wölfen geweckt. Sie sind immer pünktlich, mein Mann benötigt keinen Wecker zum Aufstehen. Ich stehe immer mit ihm auf, um gemeinsam zu frühstücken, sonst ist der Tag zu lang, bis man sich wiedersieht.

Eines Morgens fühlte ich mich nicht gut und beschloss, noch etwas länger zu schlafen. Mein Mann stand allein auf, tappte im Halbdunkel ins Wohnzimmer und fütterte zuerst die Wölfe auf der Terrasse (sie stehen ja immer kurz vor dem Hungertod). Schnell noch Bienes Höschen aus und dann Frühstück machen. In der Zwischenzeit laufen die Wölfe in den Garten, um ihr Geschäft zu erledigen, dann ganz schnell wieder rein, Biene das Höschen anziehen und beide schlafen dann weiter auf ihrer Couch. Es schläft sich einfach gut mit vollem Bauch.

Mein Mann fährt zur Arbeit und ich schlafe noch bis acht Uhr. Als ich die Treppe runter komme, begrüsst mich nur Biene in ihrer unschlagbar liebenswerten Art. Wolf liegt zusammengekauert auf dem Sofa und hebt nicht einmal den Kopf. „He Dicker, was ist den los ? frage ich, keine Reaktion. Ob er krank ist oder einfach nur müde ?

Diese Frage wird sich gleich von selbst beantworten, wenn ich frühstücken werde. Spätestens dann steht mein Wolf am Tisch und bettelt. Aber auch der gedeckte Tisch ruft keine Reaktion hervor.

Ich räume die Küche auf, Biene will in den Garten, Wolf liegt wie angenagelt. Ich setze mich zu ihm, sein Blick ist unendlich traurig und ich mache mir Sorgen. Ich kraule ihm die Ohren und meine Hand gleitet über seinen Rücken. Was ist das denn ? Ich traue meinen Augen nicht ! Wolf hat Bienes Höschen an !!! Ich kann mich vor Lachen nicht halten und mein Dicker versteht die Welt nicht mehr.

„Steh auf Dicker, ich zieh Dir mal das Ding aus“, sage ich. Gehorsam erhebt er sich und ich befreie ihn. Kaum ist es weg, springt er herum wie ein Känguruh, schüttelt sich und freut sich seines Lebens während er in den Garten läuft.

Ich rufe meinen Mann an und kann vor Lachen kaum reden. „Was hast Du heute Morgen mit Bienes Höschen gemacht ?“, frage ich. „Das habe ich ihr wieder angezogen, als sie hereinkam und ihr gesagt, sie solle wieder schlafen“ antwortete er ganz verdutzt.

Ich muss dazu sagen, dass sich unsere Hunde sehr ähnlich sehen, sie haben die gleiche Mutter. Natürlich ist Biene kleiner als Wolf, aber so im Halbdunkel und verschlafen, da können schon Verwechslungen passieren.

Ich erzähle ihm die Geschichte und wir lachen beide herzhaft. Er sagt: „Da kannst Du mal sehen, wie brav mein Wolf ist, er tut was ich ihm sage“.

Dieses Missverständnis ist ihm nie wieder passiert.